Rechtsanwalt Sönke Höft

Rechtsanwalt Sönke Höft

Ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Gesellschafter einer GmbH, so ist die Gesellschafterliste umfangreicher: Nach derzeit herrschender Auffassung ist nicht nur die rechtsfähige GbR in die Gesellschafterliste aufzunehmen, sondern auch deren Gesellschafter.

Die Gesetzliche Grundlage dafür ist § 40 Abs. 1 S. 1 GmbHG. Danach sind in die Gesellschafterliste die GmbH-Gesellschafter aufzunehmen. Da eine GbR nach heutiger rechtlicher Auffassung teilrechtsfähig ist, würde es vom Wortlaut eigentlich ausreichen, nur die GbR in der Gesellschafterliste zu nennen. Abweichend vom Wortlaut setzt sich derzeit in der Rechtsprechung durch, dass im Interesse höchstmöglicher Transparenz und Klarheit abweichend von dem an sich eindeutigem Wortlaut auch die Gesellschafter einzeln zu nennen sind. (Zuletzt OLG Hamm, 24.05.2016, Az. 27W27/16)

Diese Rechtsfrage ist noch nicht abschließend geklärt.

Argument für diese Auffassung ist auch die analoge Anwendung von § 162 Abs. 1 S. 2 HGB. Diese für die Kommanditgesellschaft geltende Regelung ordnet die Angabe jedes GbR-Gesellschafters an, wenn eine GbR an einer Kommanditgesellschaft beteiligt ist.

Darüber hinaus soll auch die Vertretungsbefugnis leichter nachweisbar sein, wenn man die einzelnen GbR-Gesellschafter in der Gesellschafterliste sehen kann.

Gegen das oben genannte Urteil ist Revision zugelassen. Es bleibt abzuwarten, ob diese derzeit in Rechtsprechung und Literatur herrschende Ansicht der höchstrichterlich Überprüfung standhalten wird.

Die vorgenannte Rechtsfrage gilt nur bei der teilrechtsfähigen GbR als GmbH-Gesellschafter. Anders ist es bei einer Erbengemeinschaft, einer Gütergemeinschaft oder einer Bruchteilsgemeinschaft. Hier ist allgemeine Auffassung, dass sämtliche GbR-Gesellschafter in die Gesellschafterliste mit aufzunehmen sind.

Sönke Höft
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht