Mit einem „Scrum“-Projekt-System besteht für ein Unternehmen die Möglichkeit, Projektentwicklung zeitnah und somit Kostengünstig zu regeln. Dieses System besticht durch eine sehr flache Hierarchie, hieraus entsteht eine besondere Flexibilität. Durch diese Flexibilität besteht ein sehr großen Potenzial Zeit, einzusparen und dynamisch auf Änderungen zu reagieren. Daher bietet es Chancen für Unternehmen, die durch schnelle Projektentwicklung einen signifikanten Vorteil am Markt erlangen wollen.

Die Hierarchie gliedert sich wie folgt: Zunächst gibt es den Product Owner (Auftraggeber/Unternehmen) dieser arbeitet sehr eng mit dem Scrum-Master (Auftragnehmer/Entwickler) zusammen. Der Scrum-Master wiederrum arbeitet mit seinem Entwicklerteam zusammen (Spezialisten des Auftragsnehmers und des Auftragsgebers sowie externe Unternehmen).

Wie wird im „Scrum“-Projekt-System gearbeitet? Der Product Owner formuliert seine Vorstellungen im Product Backlog. Dieses Product Backlog wird dynamisch verwaltet. Während der ganzen Entwicklungszeit hält der Product Owner (Auftraggeber/Unternehmen) mit dem Scrum-Master (Auftragnehmer/Entwickler) absprachen, um zeitnah die Entwicklung zu lenken. In sogenannten Sprints, die typischerweise zwei bis vier Wochen andauernd, arbeitet der Scrum-Master (Auftragnehmer/Entwickler) mit dem Entwicklerteam eng zusammen, um die Vorgaben aus dem Product Backlog zu erfüllen.

Die vertragliche Gestaltung zwischen den drei Akteuren ist hier jedoch nicht einheitlich zu beurteilen. Zwischen den Product Owner (Auftraggeber/Unternehmen) sowie dem Scrum-Master (Auftragnehmer/Entwickler) besteht in der Regel ein Dienst- oder Werkvertrag. Zwischen den Scrum-Master (Auftragnehmer/Entwickler) und dem Entwicklerteam hingegen besteht meistens Arbeitsverträge, Dienst- oder Werkvertrag mit Freelancer oder Arbeitnehmerüberlassungsverträge. Durch die jüngsten Änderungen des AÜG werden die Arbeitnehmerüberlassungsverträge hier wohl an Wichtigkeit verlieren.

 Die einzelnen Verträge zwischen den Beteiligten können rechtliche Probleme beherbergen. Beispielsweise bei der Beurteilung des Arbeitsverhältnisses der Freelancer droht die sogenannte „Scheinselbstständigkeit“. Hier sollten die Dienst- und Werkverträge für die Freelancer besonders genau ausgearbeitet und auch enstprechend der Vereinbarung durchgeführt werden, damit die Freelancer nicht zu faktischen Angestellten werden.

 Ein weiteres rechtliches Problem kann die „verdeckten Arbeitnehmerüberlassung“ darstellen. Dieses ist der Fall, soweit die Personalüberlassung durch einen Dienst- oder Werkvertrag geregelt ist, jedoch das überlassene Personal sich insbesondere in den Betrieb des Product-Owners eingliedert oder arbeitsrechtliche Anweisung des Product-Owners befolgt. Auch hier muss auf die Ausgestaltung der Dienst- und Werkverträge und besonders auf deren Einhaltung Wert gelegt werden.

Sönke Höft
Fachanwalt für Arbeitsrecht